2013

„Die Ideologie ist uns als Christen fremd“

Dekanatskonferenz beschäftigt sich mit dem Thema Ruhestätten in der Natur

Altkreis. Die letzte Ruhestätte in der Natur, in einem Wald zu finden, das wünschen sich heute immer mehr Menschen. Bei uns in der Region besteht bislang nur im Hallenberger Ortsteil Braunshausen die Möglichkeit, in einem Ruhewald bestattet zu werden. Da es inzw ischen im Dekanat Hochsauerland-Ost Anfragen gibt, diese Art der Bestattung kirchlich zu begleiten, hat sich die Dekanatskonferenz mit dem Thema beschäftigt. Dabei wurde, so Dechant Michael Kleineidam, der Beschluss gefasst, dass diese Form der Bestattung bei uns im Dekanat nicht mit Begleitung der kath. Kirche stattfinden soll.
  
Michael Kleineidam, Dechant Frage: Warum haben Sie diese Entscheidung getroffen?
Michael Kleineidam: Der Wunsch nach dieser Art der Bestattung geht zurück auf eine Bewegung, die auf nichtchristlichen Vorstellungen beruht. Die Idee, die dahinter steht, ist die, dass ein Verstorbener wieder in die Natur eingeht, nicht mehr da ist. Nach unserer christlichen Auffassung aber ist und bleibt jeder Mensch als Person auch über den Tod hinaus. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Fried- oder Ruhewälder, aber wir als Christen stehen für eine andere Form der Bestattungskultur. Die Ideologie, die hinter der Bestattung in der Natur steht, ist uns als Christen fremd.
 
Frank Manegold, Dekanatsreferent Was zeichnet die christliche Bestattungskultur aus?
Frank Manegold: Unsere Friedhöfe liegen in der Regel direkt an einer Kirche oder in ihrer Nähe. Dadurch entsteht praktisch automatisch eine Verbindung zwischen den Toten und den Lebenden. Die Menschen haben ortsnah einen Ort der Trauer. Die religiöse Vorstellung, dass der Verstorbene bei Gott weiterlebt, das kommt in unserer Art der Bestattung besser zum Ausdruck. Ich glaube, viele Christen sind sich heute gar nicht mehr bewusst, wie wertvoll und sinnvoll unsere Bestattungskultur ist. Wenn man nachfragt, zeigt sich oft, dass eher praktische Erwägungen eine Rolle spielen.

Was sind das zum Beispiel für Überlegungen?  Bernhard Schrader, Referent für Jugend und Familie
Bernhard Schrader: Viele ältere Menschen machen sich heute Sorgen, wer später mal ihr Grab pflegen soll, weil die Kinder nicht hier wohnen oder man nicht möchte, dass sie viele Jahre mit dem Thema Grabpflege belastet werden. Auch finanzielle Gründen spielen eine Rolle. Doch auch für diese Fälle gibt es auf den katholischen Friedhöfen heute Bestattungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Urnen- oder Rasengräber.
Kleineidam: Man sollte auch nicht vergessen, dass man auch Freunden oder Nachbarn, die nicht so mobil sind, bei einer Bestattung im Wald möglicherweise einen erreichbaren Ort der Trauer nimmt. Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, dass Trauer und Tod auch im alltäglichen Leben der Menschen einen
Ort haben.
 
Unabhängig davon, ob die Grundidee der Ruhe- oder Friedwälder dem christlichen Grundverständnis entspricht, gibt es ja möglicherweise Menschen, die die naturnahe Bestattungsform mit ihren christlichem Glauben verbinden möchten. Sehen Sie da Möglichkeiten?
Kleineidam: Ja klar. Und darin sind wir uns auch alle einig. Das, was für uns sowieso das wichtigste ist: Eine Messfeier für den Verstorbenen werden wir gerne feiern, auch eine Aussegnung des Leichnams vor der Kremierung oder eine Aussegnung der Urne in der Kirche oder einer Leichenhalle, je nach den örtlichen Gegebenheiten, auch die sonstige Trauerbegleitung wie vor allem das
Kondolenzgespräch. Einzig der Gang zum Fried- oder Ruhewald und die Bestattung der Urne an einem Baum dort würde dann im Familienkreis stattfinden und vom Bestatter oder Förster durchgeführt.

WP, 27. März 2013, von Jutta Klute