2010

Bauer trifft Bischof

von links nach rechts Stephan, Bernd und Heinz-Bernd Schmidt, Dechant Michael Kleineidam, Weihbischof Matthias Knig, Bernhard Schrader und Dr. Rudolf Schmidt Rösenbeck. Dass Weihbischof Matthias König nicht nur ein Kind des Ruhrgebietes ist, sondern auch ein Herz für die Anliegen der Landwirte hat, wurde am Samstagmorgen deutlich. Im Rahmen seiner Firm- und Visitationsreise stand ein Besuch des Hofes der Familie Schmidt in Rösenbeck auf dem Plan. „Unser Anliegen war es, dem Weihbischof besondere Akzente eines Dekanates näher zu bringen, das sehr ländlich geprägt ist“ kommentierte Dechant Michael Kleineidam diesen eher ungewöhnlichen Termin.

Der Hof von Familie Schmidt ist ein etwas überdurchschnittlich großer Bio-Milchbetrieb. Zurzeit ernähren etwa 70 Milchkühe die Familie. Dazu kommen noch Rinder und Kälber. „Nach einigen recht harten Jahren geht es inzwischen wieder etwas besser“ erläuterte Landwirt Heinz-Bernd Schmidt die wirtschaftliche Situation des Hofes. Die Umstellung auf Biomilch hat dazu einen guten Beitrag geleistet.

Nach kurzer Begrüßung stand zunächst eine sehr umfangreiche Besichtigung der Stallung auf dem Plan. Dabei erfuhr Weihbischof König viele sehr unterschiedliche Dinge:

Ein moderner Kuhstall hat keine Wände mehr, sondern nur noch Netze, die den Wind abhalten, weil Kühe es kalt mögen. Eine Kuh trinkt am Tag 100 Liter Wasser und frisst 60 kg Silage als Futter. Die Zugabe des weiterhin nötigen Kraftfutters regelt automatisch ein Datentransponder an der Kuh, der mit einem Computer verbunden ist. Der Ertrag einer Kuh sind ca. 25-30 l Milch am Tag. „Um den Hof für eines meiner drei Kinder zukunftsfähig zu machen, müsste die Herde ungefähr auf das Doppelte aufgestockt werden“, erläuterte Heinz-Bernd Schmidt die Perspektive des Hofes. Sein Arbeitstag beginnt um 5:30Uhr und endet, wenn alles gut geht, um ca.19.00 Uhr, es sei denn es kommt etwas dazwischen oder es ist Erntezeit und es muss Futter von den Weiden des Hofes produziert werden. So hat der Tag auch schon mal kein Ende. Manchmal ist dabei bei schönem Wetter sogar noch ein bisschen Platz für ländliche Romantik. Unterstützt wird Heinz-Bernd Schmidt hauptsächlich von seiner Frau, die nicht nur die Familie versorgt, sondern auch die Buchführung für den Hof übernommen hat. Dazu kommt noch ein Auszubildender von der Josefsgesellschaft in Bigge. Deutlich wurde bei allen Erklärungen vor allem, in wie vielen Bereichen von der Tierpflege bis zu Ausgleichszahlungen der EU für Landwirtschaft sich ein Landwirt heute auskennen muss.

Nach einem kurzen Abstecher zur Hühnerzucht des 13jährigen Sohnes Stefan, standen im Wohnzimmer des Hauses beim anschließenden Austausch auch noch politische Themen, wie Milchquote, Milchstreik und Subventionen auf der Tagesordnung.

Dr. Rudolf Schmidt, der Bruder des Hausherrn und langjähriger Mitarbeiter des Bauernverbandes stand hierzu ausgiebig Rede und Antwort. Deutlich wurde, dass viele Menschen nichts mehr über die aktuellen Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft wissen und so oft den richtigen Bezug zu den Produkten verloren haben. „Über die Arbeit in der Landwirtschaft und deren Unterstützungssysteme wird immer sehr vorschnell und ohne das richtige Hintergrundwissen geurteilt, so dass dringend eine bessere Öffentlichkeitsarbeit in diesen Bereichen geleistet werden muss“ erläuterte Dr. Rudolf Schmidt weiterhin. In diesem Punkt sah Weihbischof König einige Parallelen zur aktuellen Situation in der katholischen Kirche.

Den gemütlichen Abschluss des Vormittags bildete eine gemeinsame Mahlzeit. „Ich habe heute morgen sehr viele interessante Dinge erfahren und bin sehr angetan von der Gastfreundschaft, die uns hier zuteil wurde“, resümierte Weihbischof König seinen Besuch.