2009

Bleibt die Kirche noch im Dorf?

Pastoralverbnde im heimischen Dekanat stehen vor Vernderungen

HSK/Altkreis. Wie zukunftsfähig sind unsere Gemeinden und Pfarreien? Wer füllt sie auch in Zukunft mit Leben? Um die Zukunftsfähigkeit der Pastoralverbünde sicherzustellen, sollen diese in ihren Strukturen „gestrafft“ werden. Dazu stellte ein Planungsteam des Dekanates (in Zusammenarbeit mit dem Bistum) seinen Vorschlag vor.

Das Planungsteam mit den (mglicherweise) neuen Pastoralverbnden: (im Uhrzeigersinn) Bernhard Schrader, Pfarrer Klaus Goebel, Dechant Michael Kleineidam, Pfarrer Heinz Koch und Frank Manegold. Im Dekanat Hochsauerland-Ost gibt es bisher elf Pastoralverbünde mit 61 Pfarreien. Daraus fünf Pastoralverbünde zu machen (Bigge-Olsberg, Brilon, Marsberg, Medebach-Hallenberg und Winterberg), ist die Idee, die sich für viele zunächst schlicht nach Rationalisierung anhören mag. Dahinter steckt aber vor allem der Wunsch nach Nutzung von Synergieeffekten, wenn sich die Verbünde zusammenschließen. Sinnvoll erschien dabei, sich an den gegebenen kommunalen Grenzen zu orientieren.

Nicht an festen Strukturen kleben

Fakt ist, dass die Zahl der Gemeindemitglieder kontinuierlich sinkt und es neuer Pläne bedarf, um das Gemeindeleben und die pastorale Arbeit aufrecht zu erhalten.

„Keine Kirche wird geschlossen“, beruhigt Dekanatsreferent Frank Manegold. „Aber“, gibt Dechant Michael Kleineidam zu bedenken, „eine gewisse Flexibilität und auch Eigeninitiative sind schon erforderlich.“ Es wird in Zukunft nicht immer überall sonntags mehr eine Messe geben können. Das erfordert von den Gemeindemitgliedern auch Umdenken – und das Besinnen auf die eigentlichen christlichen Aspekte. Dann wird sich zeigen, was an Gemeindeleben vor Ort tatsächlich präsent ist.

„Wir machen doch Kirche nicht für den Pastor, sondern für die Gemeinschaft“, gibt Frank Manegold zu bedenken. Jeder einzelne müsse sein Christsein nun neu überdenken. „Vielleicht muss man sich als Christ auch einmal in Frage stellen“, glaubt Bernhard Schrader, der davor warnt, zu sehr an festen Strukturen zu kleben. Kirchengemeinde ist das, was man daraus macht – die Pfarrei sowie die Pastoralverbünde oder auch Dekanate geben dazu letztlich „nur“ den verwaltungstechnischen und kirchenrechtlichen Rahmen.

Die Pläne zur Reduzierung der Pastoralverbünde bestehen übrigens diözesanweit. Hier möchte man von 213 auf 100 reduzieren. „Dabei wird nichts aufgelöst werden“, erklärt Dechant Kleineidam. Jede Gemeinde für sich bleibt bestehen, lediglich der Zusammenschluss wird im größeren Radius als bisher passieren.

„Genügend engagierte Leute vor Ort müssen das Leben in den Gemeinden lebendig erhalten“, fordert Pfarrer Klaus Goebel zu tatkräftigem Handeln auf. Gerade Laien sollten mit mehr Mut auf sich selbst und ihre Kompetenzen vertrauen. Bernhard Schrader, Referent für Jugend und Familie im Dekanat, sieht in der Veränderung eine Chance. Hier biete sich auch ein neues Experimentierfeld, hofft Frank Manegold. Weg vom territorialen Kirchturmdenken – hin zur Interessensgemeinschaft: ein gutes Beispiel dafür sei die „Junge Kirche Aggiornamento“, die offen für jedes Alter und Herkunft ist.

Man wolle keine Identitäten zerstören und nehme Ängste und Bedenken der Gemeindemitglieder durchaus ernst, so das Planungsteam. Daher sei die Gesamtplanung – die noch in den kommenden Monaten bis in alle Ebenen zur Diskussion steht – auch langfristig angelegt. Ab 2010 könne mit der Umsetzung begonnen werden, wobei mit einem hohen Maß an Transparenz und Information vorgegangen werde. Zum Ende 2009 soll über den Vorschlag entschieden werden. Die Inkraftsetzung des Planes wird dann durch den Erzbischof erfolgen, bevor zur schrittweisen Umsetzung übergegangen wird.

Das Planungsteam hofft insgesamt auf eine große Chance und Bereicherungen für die Gemeinden, wenn sich alle auf ihre eigenen Fähigkeiten und ihr Tun als Gemeindemitglied besinnen. Ein intensiverer Blick über den Tellerrand der eigenen Gemeinde ist durchaus positiv befruchtend. Dann wird sich zeigen können, ob Gemeinde aus sich heraus funktioniert, mit einer großen Portion Eigenverantwortung – und unabhängig von den äußerlichen Strukturen. Und letztlich bleibt dann auch die Kirche im Dorf!