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Ökumenischer Empfang für die Schulleitungen im Hochsauerlandkreis

Werte sind nötig - Schule soll Medienkompetenz fürs Internet vermitteln

v.l.: Dekanatsreferent Mündelein, Prof. Büsch und Superintendent Hammer im Gespräch© Dekanat Hochsauerland-Ost Meschede. Beim diesjährigen Empfang der Schulleiterinnen und Schulleiter im Hochsauerland vom evangelischen Kirchenkreis und den drei katholischen Dekanaten war der Referent Prof. Dr. Andreas Büsch aus Mainz angereist. Bildhaft, kompetent und energisch sprach er über die Problematik von Medienbildung an Schulen und konkretisierte sein Anliegen anschließend in einem Workshop mit Lehrern und Lehrerinnen über den Einsatz von Sozialen Medien in der Schule. Superintendent Alfred Hammer und Josef Mündelein, Referent im Dekanat Hochsauerland-West, begrüßten die Gäste. Mündelein sagte zu den Schulleitern: „Sie und ihre Schülerinnen und Schüler leben im Hier und Jetzt und müssen sich daher selbstverständlich den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung stellen.“ Als Medienpädagoge und Kommunikationswissenschaftler an der Katholischen Hochschule Mainz und gleichzeitig als Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz der deutschen Bischofskonferenz ist eine von Büschs Aufgaben, die Medienbildungsarbeit in der katholischen Kirche zu bündeln und ins Gespräch zu bringen mit christlichen und außerkirchlichen Akteuren. Schule ist ihm ein wichtiger Ansprechpartner, denn hier kommen Jugendliche, sogenannte digitale Eingeborene mit Lehrern und Lehrerinnen zusammen, die sich im Laufe ihres Lebens Kompetenz mit digitalen Medien wie dem Internet und den darin beheimateten Foren, Messengerdiensten und anderen sozialen Medien angeeignet haben.

Büsch forderte sein Publikum zu einem kritischen Optimismus hinsichtlich des Umgangs mit digitalen Medien auf. Das Internet verleihe Menschen die Möglichkeit, sich darzustellen, ihr Ich zu definieren, was für Heranwachsende wichtig ist. Nicht übersehen werden dürften die großen Gefahren, die diese Medien auch mit sich bringen. Mobbing im Internet ist ein Thema, mit dem jeder Jugendlichen sich heute befasst und unter dem viele leiden.

Das Besondere der Internet-Kommunikation ist, laut Büsch, dass Menschen gleichzeitig Sender und Empfänger von Nachrichten, Bildern, Filmen, und anderem sind. Das Internet vermittle Informationen, es ermögliche Diskussionen, es sei ein Ort, wo Unterhaltung stattfindet. Alle diese Aspekte sind ihm wichtig. Büsch sieht digitale Medienkommunikation als einen Aspekt von Kommunikation insgesamt. Genau wie ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht müssen für die Kommunikation im Internet Regeln und Werte gelten. Über die müssen Menschen sich auseinandersetzen, sie müssen miteinander aushandeln, was anderen Menschen und ihnen selbst gut tut. Deshalb findet er es wichtig, dass in allen Schulfächern Arbeit mit Medien vorkommt und gleichzeitig über die digitalen Medien kritisch nachgedacht wird. Im Lehramtsstudium müsste Medienbildung Bestandteil aller Studienfächer sein. Dabei müsse es weniger um die technischen Errungenschaften gehen als darum, angehende Lehrer zu befähigen, in der Schule die Wertediskussion in die Medienbildung einzubinden, damit Schüler nicht naiv mit den Medien umgehen. Prof. Büsch referiert vor Schulleiterinnen und Schulleitern aus dem Hochsauerlandkreis zum Thema Medienbildung in der Schule© Dekanat Hochsauerland-Ost

Den Schulleitern ist das Thema wichtig. Die Ausstattung an den Schulen ist sehr unterschiedlich, W-lan ist noch keine Selbstverständlichkeit, an manchen Orten gibt es Klassensätze von Tablets, die genutzt werden können. Büsch machte Mut, in kollegialen Arbeitergruppen für die Schulen eine Medienbildungskonzeption zu finden und nicht als Schulleitung etwas überzustülpen. Exemplarisches und konzentriertes Arbeiten zieht er flächendeckenden Anschaffungen von Geräten vor. Im Einsatz von Smartphones im Unterricht sieht er eine Chance. Wichtig sei es, in anschließenden Gesprächen immer wieder Nutzen und Gefahren dieser Medien zu diskutieren.
Zur weiteren Information: Social Media und Schule.pdf 

Im anschließenden Workshop zum Thema „Sozial Media in der Schule – Teufelszeug oder Zukunftsthema?“ wurde es dann praktisch. In einer online erstellten Befragung zum Thema Sozial Media ließ Büsch die Lehrerinnen und Lehrer in Gruppen gegeneinander antreten. Als Werkzeug dafür diente die Plattform Kahoot. Auf sehr einfache Weise lassen sich hiermit Meinungsumfragen, Quiz oder Diskussionen erstellen. Auf einem shared screen, also einer für alle sichtbaren Leinwand, werden verschiedene Thesen und Aussagen gezeigt und in einem multiple choice-Verfahren mehrere mögliche Antworten zur Verfügung gestellt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer benutzen ihr eigenes Smartphone oder Tablet um am Spiel teilzunehmen.

Es war erstaunlich, wie schnell und rege sich die Diskussionen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern entwickelten. Besonders spannend wurde es, als es zum Wettbewerb unterschiedlicher konkurrierender Gruppen kam. Der große „Social Media“-Preis, vielen Anwesenden noch gut als Samstagabend-Fernsehshow mit Wim Thoelke bekannt, wurde in einer Online-Version gespielt und war ein weiteres attraktives Beispiel für eine gelungene Einbindung von Social Media im Unterricht.
Im anschließenden Auswertungsgespräch wurden allerdings schnell die derzeitigen Grenzen in den Schulen deutlich. W-Lan ist noch lange nicht selbstverständlicher Standard an den Schulen. Auch die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern lässt hier noch einige Wünsche offen. Allerdings bremsen auch viele rechtliche Rahmenbedingen die Akteure an den Schulen aus, so zum Beispiel, wenn es um Bildrechte geht.

Alles in allem war man sich einig, dass eine kritisch optimistische Haltung auf allen Ebenen entwickelt werden muss, damit Social Media in der Schule für alle zu einer gewinnbringenden Ergänzung im Unterricht werden kann. Wer sich weiter über Medienkompetenzmaterial informieren will kann dies unter mekomat.de tun.